Donnerstag, 7. Mai 2009

Große Hafenrundfahrt

Nu hab ich mich ´ne ganze Woiche nich verlautbaren lassen, buin trozz all wie diese Zeit n och mit de hiesije Tastatour janz verflitscht. Üffken! Muß ick mer am Riemen reißen! Gezz aber!

All die ganze Zeit erfüllte ich mich mit krausen Gedanken über die nahe Zukunft; meinen neuen Job in einem Luxushostel, der, momentan noch auf freier Basis, und meine damit zusammenhängende Furcht, ich könnte sesshaft werden, sollte es zu der unweigerlichen Festanstellung kommen. Zudem drohte die Fahrt in die Provinz, zur Konfirmation meines Patenkinds, dummerweise mit neuerlichem hin- und hergurken durch die Republik verbunden. What an inconvinience! Zum guten dritten das mir selbst eingebrockte Damoklesschwert einer Darmspiegelung, die ich mir hypochondrisch nach Unterhaltung (s.d) mit meinem Bruder aufgehalst hatte.

Na, wenigstens die habe ich souverän hinter mich gebracht: Nach einem ganzen Tag mit gar köstlichen Abführdrinks usw. holt Heba mich heute Morgen mit meinem Marbella ab. Hermann und Dietrich hinten drin, bringen die Blattfedern zum ächzen. Wenn ich nicht so angespannt wäre, müsste ich prusten. Als hätten die beiden Spacken es geahnt, ziehen sie mich sogleich mit meinem Vorhaben auf („Mach schöne Fottos“, „Wofür krisse den’ne Spritze, hä?“ und vor allem „Viel Spaß!“).

In der Anmeldung sitzt dieselbe Frau, die mich noch Tags zuvor mit einem fröhlich lauten „Wann ham se denn ihre Darmspiegelung?“ begrüßt hat. Diesmal schnattert sie fröhlich: „ Se könn dann nochma’n Kaffe trinken gehen, wir sin heut spät dran. Anner Ecke is lecker, die ham och’n Klo.“ Gut. Geh ich nochma’n Kaffe trinken. Bei der Gelegenheit fällt mir zum wiederholten Mal auf, wie schön Neukölln eigentlich ist.

Letztendlich nutzt mir aber aller Eskapismus nix; ich muß wieder zurueck. Die Schergen warten auch schon. Eine Sprechstundenhilfe in Bleu mit Gummihandschuhen holt mich lächelnd ab. Ob ich nochmal auf die Toilette…na klar. Hernach werde ich instruiert, mich untenrum frei zu machen und mich – in Socken und Pulli auf eine Liege zu legen. Mein Blick fällt beiläufig auf ein Ungetüm von Endoskop. Schnell suche ich einen anderen Blickfang. Gott sei Dank kommt auch schon der Dokter rein. In Schlachterschürze und Plauderlaune. Während die Schwester schon die Kanüle legt, interviewt er mich sehr freundlich, fast verdächtig. Dennoch fasse ich Vertrauen, bekunde meine Aufgeregtheit, bekomme Anteilnahme von den Umstehenden und eine klitzekleine Injektion.

„Merken Sie schon was?“, werde ich gefragt und bekomme kaum das ‚ja‘ über die Lippen, schon bin ich beim ollen Morpheus. Das nächste, was ich mitbekomme, ist die Stimme der bleuen Schwester, der ich wirklich original bescheinige: „Your German is really excellent!“ Weiß der Schinder, in welchen Träumen ich gerade war, ich erinnere mich nicht die Bohne, jedenfalls wird mein ungewöhnlicher Ausspruch mit großem Buhei begrüßt. Dokters wirft gar die Arme in die Luft und grölt: „Hey, wir sind gelandet! Und sogar in Deutschland!“. Ich frage, wie lang meine Auszeit gedauert hat. „‘Ne ¼ Stunde. Exakt so lang wie die Untersuchung.“, ist die Antwort. Ich bin begeistert, ob der Genauigkeit und lobe ad hoc die Anwesenden. Die sind aber schon auf dem Weg zum Nächsten, nur ein junger Mann, wahrscheinlich Zivi, hilft mir beim antrekken der Büchs. Kurz noch wird mir der Befund mitgeteilt. Ich bin kurant wie ein Buschneger. Na, wenn das nix ist!

Ich darf mich noch ein bisserl ausruhen, bis mich Heba wieder abholen kommt. Aber da bin ich schon wieder ganz dufte fit. Und mir ist auch gar nicht mehr bang vor dem Proktologen am kommenden Dienstag und seiner kleinen Hafenrundfahrt.

Mittwoch, 29. April 2009

Basking Ridge, NJ

Noch ein paar Stunden bis Flug. Geduscht, rasiert und frisch gemacht erwarte ich bereits Auseinadersetzungen mit dumpfen Sicherheitsjohnnys ueber die moegliche Konsistenz von Zahnpasta, befuerchte sogar die Beschlagnahme meines Koffers, weil da Schnaps drin ist und all das ganze Gedoens. Wahrscheinlich werde ich das Land mit aehnlich gemischten Betrachtungen verlassen, wie ich hergekommen bin.

Nach dem letzten Eintrag wurde ich ueber meine Interpretationen doch ehrlich ein ganz klein bisserl Luegen gestraft. Noch waehrend ich schrieb, kamen einige junge Amerikaner neu im Hostel an. Ich musste sie rumfuehren, hatte ich doch kurzfristig von Justin die Aufgabe des Managers uebertragen bekommen, weil er in ein Konzert wollte. Gut, ich hatte eh nix zum Tun, da habe ich die Leute eben empfangen und mich anschliessend noch mit ihnen unterhalten. Es waren allesamt Studenten, gut ausgebildet, lustig und vor allem weltoffen und interessiert. Ploetzlich machte es mir richtig Spass, in Amerika zu sein und auch meine "Gaeste" schienen das so zu sehen. Der Abend war richtiggehend munter und nebenbei konnte ich bemerken, dass Amerikaner noch immer einen Tacken laessiger sein koennen.

Parks und...

Trotz aller spaeten Plauderei beginnt der naechste Tag frueh, denn das Projekt heisst 'Blue Ridge Parkway', eine etwa 400 Meilen lange, 2-spurige Landstrasse, von angeblich grosser Schoenheit. Ein Attribut, was mir ja schon die 'Smokies' nicht gehalten haben. Ich bin daher skeptisch. Doch anfangs geht es gleich nett los. Ich habe tatsaechlich den Eindruck, durch eine gepflegte Parklandschaft zu fahren. Links und rechts die unterschiedlichsten Baeume und vor allem Rhododendren und gepflegte Rasenstuecke. In 2-3 Wochen, wenn es alles blueht, muss das hier wahnsinnig aussehen. Immer oefter oeffnet sich der Bewuchs fuer einen Aussichtspunkt, denn die Strasse geht auf einer Art Bergruecken laengs. Da der Himmel strahlen blau ist und kaum diesig, kann man meilenweit sehen. Es ist eine Pracht. Kaum ein Haus oder anderes zivilisatorisches Ding stoert das Idyll. Und so bleibt es die naechsten 250 Meilen. Es aendert sich rein gar nichts. Es ist alles immer nur schoen. Park, Strasse, Wiese, Aussicht, Wald. Irgendwann habe ich die Faxen dicke, mir mangelt es einfach an Abwechslung von dieser ganzen Lieblichkeit. Immer haeufiger brausen in mir Gefuehle der Langeweile und des Ekels herum. Staendig sage ich mir, dass dieses Mal echt das letzte Mal ist, weil mir schoene Landschaft nicht mehr reicht und mir dieses ewig lange rumfahren in immer derselben genug ist. Mittlerweile bin ich schon in Virginia und beschliesse hinunter ins Tal zu fahren, ab auf die Interstate 81, denn es ist noch ein gutes Stueck bis nach Winchster, in dessen Naehe das 'Bear's Den Hostel' liegt. Ich komme dort um 1/2 Acht an, nachdem ich nochmal 3 Stunden auf der Autobahn war und sich die gesamte Fahrzeit auf 11 Stunden belaeuft. Ich vibriere irgendwie.


...Aussicht galore

Die Leiter sind eine junge Kleinfamilie aus Rochester, NY und ich bin der einzige Gast. Freundlich werde ich begruesst und sie fuehren mich herum und erzaehlen von der Geschichte des Hauses, das einst einem reichen Hauptstaedter als Sommerresidenz diente und der es nach seinem Tod der 'Appalachian Trail Society' vermachte. Die kuemmern sich seitdem nicht nur um den gleichnamigen, 2800 Meilen langen Fernwanderweg, sondern auch um eben dieses Haus. Ich bin allerdings schon reichlich platt und schlafe nach einem Feierabendbier rasch ein.
Am naechsten Morgen fruehsteucke ich mit Josh, Jennifer und dem luetten Jacob und erfahre auch hier wieder den umfassenden Kommunikationswillen der Einheimischen, was es immer wieder einfach macht, auf Menschen zuzugehen und sei es nur auf einen Schwatz im Kaffeeladen oder so.


Die typische amerikanische Familie und ihre Behausung

Gegen 11 Uhr verabschiede ich mich, fahre an Washington und Baltimore vorbei, ueberquere den maechtigen Susquehanna River und bin am fruehen Nachmittag in Philadelphhia, PA bei Amy und Joseph, Freunden von Anita, die mich eine Nacht bei sich aufnehmen und mir Philly zeigen. Da Amy hier Fremdenfuehrerin ist bekomme ich eine solch geballte Ladung Information ab, dass ich am Abend denke, mehr ueber diese Stadt als ueber irgendeine andere in den USA zu wissen. Nebenbei ist sie auch noch sehr schoen anzusehen.

Philly bei Nacht

Ich will jetzt nicht mit trockenen Fakten ermueden, und ich habe sowieso schon fast alles wieder vergessen, ausser, dass fast 50% der Bewohner Farbige sind, die, wie mir scheint, deutlich haeufiger zum Grusse dem Fremden gegenueber geneigt sind. Leider bleibt mir trotz Nachfrage bei meiner Fuehrerin und ihres, proporzgerecht, dunkelhaeutigen Mannes, die Entstehungsgeschichte des beruehmten Phillysounds im Dunkeln. Egal. Jedenfalls habe ich mit Beiden eine Menge Spass, als wir am Abend auf dem Aussichstdeck ihres Hauses in South Philly bei Bier und Unterhaltung auf das praechtig illuminierte Staedtchen schauen. Nur Jospehs Besorgnis ("There are many stupid people in the US and I am afraid that they outnumber us by a couple of millions.") macht mich nachdenklich, den eigentlich habe ich so viele Trottel gar nicht gesehen. Aber das ist bestimmt der Ostkueste geschuldet und dass ich den 'Bible Belt' diesmal nicht ueberquert habe.

Nun sitze ich hier, tippe hastig den Rest meiner Reiseeindruecke und kann mir als Fazit, trotz aller guten Eindruecke nur ein 'muss ich nicht mehr hin' abringen. Klingt nicht nach ultimativer Begeisterung. Ist aber so.








Sonntag, 26. April 2009

Ach Tennessee!

Heute morgen bin ich schon frueh wach. Sechs Uhr und kein Schlaf merh zu finden. Ich mache das vermeintlich Beste daraus und beschliesse zu den nahe gelegenen Smoky Mountains zu fahren, ein auf der Grenze zu Tennessee gelegener Nationalpark. Ich freue mich ueber die fruehe Morgenstunde, denke ich doch so, einem schoenen Samstagnachmittagsrun auf die Naturschoenheiten zu entgehen. Schon auf dem Weg dahin komme ich an zahlreichen Motels vorbei, die offensichtlich mit 100en, gar 1000en Moppedfahrern gesegnet sind.

Schon bald passiere ich eine Cherokee Indian Reservation. Falls, und nur falls, ich gadacht haben sollte, dass hier irgendwas Spirituelles abgehen sollte, sehe ich mich getaeuscht. Allerhoechstens ziehen die hier anwesenden Indsmen mit Hilfe zahlloser Giftshops und Campgrounds ihren finanziellen Vorteil aus den kruden emotionalen Erwartungen ihrer einstmals ausbeuterischen Mitbuerger. Am Ende sind auch sie zu guten und wahren Amerikanern geworden.

Der Vorteil von National Parks, die es hier gepriesenerweise in haeufiger Zahl gibt, liegt darin, dass niemand darin wohnt und sie auch sonstwie nicht verschandelt werden duerfen. Wahrscheinlich reicht das schon aus, damit jeder diese guten Einrichtungen per se als etwas Aussergewoehnliches anpreist. Mir gefallen die Smokies auch, besonders am fruehen Vormittag, wenn noch nicht so viele Leute unterwegs sind. Hochdramatisch, wie viele hier behaupten, sind sie aber nicht, eher lieblich und noch etwas unbelaubt.


Aus etwa 2000 Metern Hoehe: The Smokies

Getruebt wird mein nettes Erleben allerding von den bereits erwaehnten Harleyfahrern, die sich gegen Mittag dann doch zahlreich auf den Strassen einfinden. Bald schon bilden sich auf Aussichtsstationen dicke Cluster dieser Moppeds und ihrer Eigner. Ich war ja noch nie Fan dieser Karren, fuer mich sind sie eher das ultimative amerikanische Mopped: Fett, laut und lahm, also komplett passend fuer ihre Fahrer. Da es obendrein auch das einzige amerikanische Motorrad ist, muss ich bei den Zusammenkuenften ihrer Fahrer immer an Trabanttreffen denken, so komisch das auch klingen mag.


Liebliches Tennessee

Zwischendurch halte ich immer wieder an, wandere mal hier, mal dort entlang, befahre noch den hoechsten Punkt Tennessees und mache mich am fruehen Nachmittag schon wieder auf die Rueckreise in mein liebes kleines Hostel. Als ich schon wieder auf der Interstate 40 bin und die Reise bei konstanten, cruise-controlleten 65 Meilen doch sehr kontemplativ wird, kommt es mir durchaus in den Sinn, das mich an diesem Land nichts mehr wirklich reizt. Ich denke fuer kurz, dass die Great Plains noch mal was sein koennten, habe dabei die Bilder aus Hitchcocks „North by Northwest“ im Kopf, wo Cary Grant von einem Flugzeug gejagt wird, wobei mir bewusst wird, dass das vermutlich gar nicht die Great Plains sind und beschliesse den Gedanken, dass ich mir besser den Film nochmal angucke.

Ich habe einfach nicht das Gefuehl, ich haette hier irgendwas verloren oder zu erkunden, dass es hier irgendwas gaebe, dass der ganzen Aufregung um dieses Land Wert waere. Es scheint mir einfach nur ein bisschen groeser zu sein als andere und um einige Naturwunder reicher. Meine Hostelgastgeber sind ganz wunderbare Menschen, Justin ist einfach der netteste Mensch der Welt, Miss Schubert ist grosse Klasse und so viele Andere haben richtig was drauf, und nichts kann das schmaelern. Dennoch ist eine Reise nach Frankreich aufregender.

Samstag, 25. April 2009

Asheville, NC II


Das ist mein Aussichtspunkt

Es ist himmlisch! Ich bin mal wieder einfach irgendwo und muss nirgendwo hin. Seit einiger Zeit liege ich auf einem Sofa auf der vorderen Veranda und schaue einem weit entfernten Gewitter beim arbeiten zu. Es fliesst auch Verkehr vorbei. Ein starkes Nachmittagsgetraenk ist auch im Spiel. Die Temperaturen sind kurze Hose.


Richtung Nordwest

Und dass sie hier einen Computer haben, ach neee...fast ist's wie in Argentinien.

Richtung Nordost

Freitag, 24. April 2009

Asheville, NC

Es ist schon bald nicht mehr zu fassen gewesen. Ich bin in einem echten Hostel. Das ist fuer die Vereinigten Staaten von Amerika nichts Selbstverstaendliches. Nachdem ich mich das letzte Mal habe melden koennen, ging ich noch ein wenig durch Virgina Beach, das ganz im Zeichen des Springbreak Rituals steht, welches wohl noch zu feiern sein wird. Dies ist ein merkwuerdiges Spektakel amerikanischer Teenager, die sich im Fruehling an bestimmten Orten treffen, um dort im fuerchterlich betrunkenen Zustand wild miteinander zu kopulieren. Dabei tragen sie T-Shirts mit aehnlich aufregendem Drucken die besagen, dass Bier z.B. diesen Koerper formte. Oder so aehnlich. Den besoffenen Ray sah ich am Morgen danach nicht mehr, auch egal, ich wollte frueh los. Auf dem Wege liegt auch noch ein Aquarium, dem ich auch noch einen Besuch abstattete. Hat mir aber nicht gefallen und die 12 $ haette ich mir sparen koennen. Anstatt einfach die Fische in klarem Wasser auszustellen, ist jede Menge Schnick-Schnack beigefuegt, damit es irgendwie lehrreich ist und immer noch ein wenig Effekt mehr hat, ein Umstand, dem ich hier haeufig begegne. Hat was von kuenstlich aromatisiertem Kaffee. Obendrein musste ich mir noch von einem Haufen Tattergreisen Gespraeche aufnoetigen lassen, die sich selbst Volunteers nennen und nix kosten und juengeren den Job klauen. Immerhin hatte ich so mal die Gelegenheit einem ollen WW 2 Veteranen fuer Deutschlands Befreiung zu danken. Das war mir mal ein Beduerfnis und fast haette mich das Pathos meiner eigenen Worte uebrwaeltigt. Gut, dass der alte Chas es mit netter Bescheidenheit annahm.


Chas ist 92 und maeht noch immer seinen Rasen selbst

Nach gut einer Stunde hatte ich von diesem calvinistischen Lernausstellung genug und fuhr weiter nach Sueden, an der Kueste entlang zu den Outer Shores von North Carolina, die sich, sobald der uebliche Wust von ewig gleicher Kleinsturbanitaet ueberwunden ist, als ein State Park entpuppen, wo es touristisch weitaus gemaessigter zugeht. Was nicht heisst, dass man am Strand kein Auto fahren darf. Ich bin da erstmal etwas altmodisch und gehe zu Fuss. Der Wind blaest kraeftig, die See ist huebsch rauh, die Sonne ist ganz da, Menschen sind eher wenig, dafuer diese wundervollen Pelikane. Wie sie immer knapp und im selben Abstand ueber die brechenden Wellen fliegen setzt mich wieder und wieder in Erstaunen.


Keine Bange, auch hier tobt bald der Baer

Weiter geht die gemuetliche Fahrt durch leere Marschen nach Cape Hatteras, mit einer kleinen Faehre nach Ocracoke Island, wo ich ein guenstiges Nachtlager zu ergattern hoffe. Doch weit gefehlt. Das billigste ist ein State Campground fuer 20 $, wo es als einzigen Luxus eine kalte Dusche gibt. Einige Nachfragen bei kleineren Inns ergiebt als Minimum ein gepflegtes Huettlein fuer 60 $. Das versteht der Amerikaner nun unter Budgetreisen. Aber ich wende einen Trick an. Ich stelle mir vor, es handelt sich bei dem hiesigen Geld um argentinische Pesos und schwupp, ist alles viel ertraeglicher. Gleich erprobe ich das erlernte und gehe essen. Es ist zwar nicht so’n Hit, aber mit Hilfe meiner Einbildung gehts.


Huebsch san 'mer net, aber fesch!

Den naechsten Morgen starte ich frueh. Die erste Faehre aufs Festland geht um ½ Acht. Sie faehrt 2 ½ Stunden. Eine halbe davon schwaetze ich mit einem Trierer Paar, die sehr stolz darauf sind, nie waehrend der Bush-Aera in die USA gereist zu sein und sich nie mit Bush-Anhaengern unterhalten zu haben. Mir faellt dabei das lange nicht mehr verwendete Wort ‚borniert’ ein.


Cedar Island

Endlich in Cedar Island angekommen, nehme ich mein grosses Vorhaben in Angriff, am selben Tage noch bis in de Westen dieses Staates, nach Asheville zu kommen. Leider haelt mich ein irr gutes Licht und eine an jeder Ecke berauschende Natur auf. Staendig will ich anhalten und Fotos machen. Fuer 30 Meilen brauche ich fast 2 Stunden, auch weil ich bei einem Kaffeekauf in einem shop-in-shop Kitschladen (nennt man hier „Art and Gift“, ohne Scheiss) mit Kaffeemaschine mit 100 guten Wuenschen, Nive Days, Safe Trips und Thank Yous beladen werde, bevor ich aus dem Laden rauskomme. Mich macht das noch ganz kirre. Einmal reicht doch. Ich bin doch nicht taub!


Ist manchmal wie in 'Schoener Wohnen'

Als ich die Interstate 40 erreiche ist es schon Mittag und ich habe noch ein gutes Stueck vor mir. Und dann diese Geschwindigkeitsbeschraenkungen immer! Andererseits bin ich bei den Fahrkuensten meiner gastgebenden Mitbuerger darum ganz froh. Nicht auszudenken, wie das hier ohne aussaehe. Tempi werden aufgrund eingehender Telefonate willkuerlich gewechselt wie auch die Spuren, sodass manchmal selbst 55 Meilen/h nicht zu halten sind. Ein Grauen.

Dennoch komme ich wohlbehalten um etwa 7 hier an. Das Hostel, dessen Adresse ich aus dem dicken Buch habe, finde ich auf Anhieb. Eine niedlich rundliche Miss Schubert heisst mich willkommen. Ich ebkomme ein Bett in einem 4er Zimmer im Keller. Ich freue mich sehr, dass ich fuer dieses Loch nur 23 $ bezahlen muss, was in Pesos ja fast nichts ist. Naja, es ist immerhin sauber.

Meine Bunk

Die Stadt selbst hat etwas Niedliches und eine Art richtigen Kern. Je mehr ich von diesem Ort sehe, desto staerker wird der Eindruck, dass ich mich in einer Art moderner Hippiestadt befinde. Hier sind viele junge Leute, fast alle gepaikert bis zur Halskrause und gekleidet, als lebten sie in Muelltonnen. Die Anzeigen in den lokalen Gazetten bieten ueberwiegend esoterische und anders dubiose Wohlfuehlprogramme an, so als waere die halbe Stadt damit beschaeftigt die andere Haelfte zu kurieren. Da sind sie schon den lieben langen Tag dabei, sich staendig gegenseitig zu bestaetigen und anzuerkennen, und es ist wohl immer noch nicht genug. Das ist mir ein echtes Phaenomen!

Ein weiteres Kuriosum ist mein Versuch gute, harte, eiskalte Euros in schlabberige Dollars zu tauschen In der erstbesten Bank wird mir bedeutet, dass ohne eigenes Konto nix geht. Der nette Manager Mr Watson telefoniert aber rum und findet am Ende eine Bank, die mir fuer die kleine Gebuehr von 25 $ bereit ist, mir zu helfen. Dankend lehne ich ab. Lieber mache ich meine vorletzten Travellerschecks zu Barem, auch eine ziemliche Prozedur, bei der ich ausser 2 Dokumenten, 3 Unterschriften auch noch meinen Daumenabdruck hinterlassen muss. Ich werde hier noch weich! Jetzt heisst es jedenfalls, moeglichst die Kreditkarte sprechen zu lassen.

Mittwoch, 22. April 2009

Virginia Beach, VA

Ich bin wieder in einer Public Library. Es scheint der einzige Ort in diesem Land zu sein, den man fuers Internet benutzen kann, sofern man keinen eigenen Computer hat. Hier darf ich sogar mehr als 15 Minuten daddeln, und es ist umsonst, dafuer darf ich aber keine Bilder hochladen. Bisschen schad ist's schon, aber immerhin ein Fortschritt zu heute morgen.

Gleich nachdem ich die bereits erwaehnten 15 Minuten in Cape May rum hatte, bin ich in einen Buchladen und will mir sowas wie einen Hostelfuehrer kaufen. Im Internet ist das etwas schwierig, die in der Naehe befindlichen Hostels zu orten, da sie nicht nach Staaten geordnet sind, und wer weiss schon, wo die einzelnen, angegebenen Staedte und Doerfer so sind. Letztes Jahr in Suedamerika konnte ich mich darauf verlassen, dass egal wo ich hinkam, irgendwas zum uebernachten in einer unteren Preisklasse und mit netten Leuten obendrein zu finden war und das gleich mehrfach. Hier ist das nicht so. Nein, nein. Hostels sind rar gesaet. Das naechstguenstige sind dann immer Motels, die erstens 2-3mal soviel kosten und zwotens ziemlich oed sind.

Als ich dann so im Buchladen stehe und denn jungen Verkaeufer nach sowas fragte, hat der natuerlich keine Ahnung, eine fuer hiesige Verhaeltnisse recht haeufiges Verhalten. Bereits Tags zuvor habe ich auf Fragen zumeist voellig unzureichende bis total stupide Antworten bekommen, selbst wenn es nur die Frage nach einem Postoffice war. Jedenfalls schickt der Buchhaendler mich zur Reiseabteilung, wo alles Moegliche durcheinander steht. Kurz bevor ich dann verzweifelt schon nach einem 'Lonely Liar' schreien will, faellt mir ein 'Let's Go USA-Budget Travelling' in die Finger, auch ein wenig unuebersichtlich, aber immerhin mit guten Tips fuer Uebrnachtungen. Zwar sind auch hier die Hostels nicht gerade ueppig erwaehnt, aber fuers erste suche ich mir eines aus, nicht zu weit, etwa 180 Meilen suedlich. Gluecklich ueber den guten Kauf doedel ich auf die Faehre ueber die Delaware Bay und kommen 1,5 Stunden spaeter im ersten amerikanischen Staat an, mache gleich zur Atlantikkueste weiter, Richtung Maryland, welches auch schon, schwupp, da ist und sich mit Ocean City sofort aufs grauslichste praesentiert und fuer die Sommermonate herrichtet. Linker Hand, zur Kueste hin Benidorm-artige Betonburgen, Triplestoeckige Motels und echte Schrummbuden in Pappkartonformat. Rechts der mehrspurige Durchfahrtstrasse die uebliche Reihe von Einkaufsmoeglichkeiten, schwer durchsetzt mit ungalublich bombastisch dekorierten Minigolfanlagen und Aehnlichem. Mir wird mal wieder bewusst, dass ich kein anderes Land kenne, das seine an sich wunderschoene Gegend mit derart viel unnuetzem Ramsch zupflastert, wohl aus dem einzigen Grunde, dass sie sich davon eine Proftiterhoehung versprechen.

Kaum bin ich aber aus diesem Kaff und von der Kueste weg, gleite ich durch Maryland liebliches Farmland, cruise soft nach Virginien hinueber, mach hie und da einen Abstecher in kleine Orte an der Wasserkante, geniesse den Sonnenschein, und bereite mich auf einen echten Hoehepunkt vor: Die Chesapeake Bay ueberquere ich auf dem Bridge Tunnel, das ist ein Mix aus einer Bruecke, die nach etwa 14 km in einen Tunnel uebergeht, dann nochmal Bruecke wird, nochmal Tunnel und noch ein kurzes Stueck Bruecke. Zu allem Ueberfluss schickt sich der HAPAG-Containerfrachter "Leverkusen Express" an, den zweiten Tunnel zu ueberqueren als ich einfahre. Mich schuettelts etwas bei der Vorstellung, dass dieses 294 Meter lange Schif itzo ueber mich hinwegsegelt.

Ich komme aber ohne Schrammen wieder hinaus und erreiche letztendlich mein Ziel, das 'Angies Guesthouse' wie im Reisefuehrer beschrieben. Ein Hoch darauf! Beim Eintreten werde ich von Ray empfangen, in etwa so alt wie ich und just mit einem Telfonat beschaeftigt. Als er mich sieht, springt er hastig auf und legt sich erstmal auf die Fresse. Beim Hochkommen stellt er sich auch nicht sehr geschickt an, und als er dann endlich in seiner ganzen Pracht vor mir steht, wird mir schlagartig klar, dass dieser Mann stramm wie ein Amtmann ist. Artikulieren kann er sich relativ klar, doch die uebrige Motorik ist schwergaengig wie eine bekloppte Schildkroete. Und hinter ihm, an der Wand, prangen die gesamten Regeln der Einrichtung, vor allem: 'kein Alkohol!' Immerhin bemueht er sich um Professionalitaet und wer bin ich, dass ich ihm seinen Zustand verueble.

Nach ziemlich langen 20 Minuten ist die Eincheckprozedur geschafft, und er zeigt mir das Haus mit seinen Einrichtungen. Als er eine Treppe hinutersteigt bin ich etwas in Sorge, aber erst die letzte Stufe laesst ihn abschmieren. Es ist ihm sichtlich peinlich, aber ich ueberspiele die Situation gekonnt und er faengt sich wieder. Auch emotional.

Jedenfalls habe ich ein Bett in einem Hostel, wie ich es wollte. Es sind zwar keine anderen Gaeste da, macht aber erstmal nix und... uff, jetzt werde ich per rasendem Blinklicht erinnert, dass die Buecherei gleich zumacht und ich enden muss. Meine Guete, was eine Hektik hier wieder. Und ich schreibe schon, als ginge es auf Leben und Tod. Die machen mich alle noch verrueckt hierund ich weiss nicht mal, ob ich irgendwas Verstaendliches von mir gegeben habe. Ochotttochotttochottt!

Dienstag, 21. April 2009

Cape May, NJ

Ich habe tatsaechlich, einen Computer gefunden, in einer Public Library. Den darf ich fuer sage und schreibe 15 Minuten benutzen. Oder ich kaufe fuer 10 $ eine Jahreskarte. Super, wenn die Faehre nach Delaware in einer Stunde geht und ich eh schon den Eindruck habe, vollkommen pleite zu sein. Ausser Klamotten kostet hier alles ordentlich.

Ich weiss nicht, wie weit ich heute komme, aber den Chesapeake Bay Bridge Tunnel werde ich wohl noch schaffen. Und ich will unbedingt ein Hostel finden. Motels sind ganz okay in diesem Land, aber jede Nacht 'nen Fuffi? Ich werde noch im Auto schlafen muessen. Aber da habe ich dann das zweite, koordinierende Problem: Kein Kontakt! Es sei denn mit vorsichtigen Polizisten. Ach, es ist ein Kreuz!

Und schon schaut die dicke schwarze Bibliotheksangestellte finster-freundlich zu mir rueber. Die 1/4 Stunde scheint rum zu sein. Tschuldigung, wenn ich gehetzt klinge.